Der Schuppenpazer -
oder der Panzer für Leute, die nichts gegen Lärm haben
Für alle Personen, die mit dem Gedanken spielen sich
einen Schuppenpanzer zu bauen, erstmal eine kleine Warnung! Ihr
werdet neben ein paar erstaunten Blicken und Kommentaren auch jede
Menge Hohn ernten. Bei meinem ersten Con mit Schuppe, fanden es
ein paar nette Menschen sehr amüsierend über die Lautstärke
der Schuppen (es ist wohl mit die lauteste Rüstung, die man
haben kann) Kommentare loszuwerden, z.B. "Hey da kommt der
Waldläufer" *hahaha*. Nervend ist es vor allem aber, wenn
man dann noch Monate später nur mit einem "Hallo Klimper-Klimper"
begrüßt wird. Aber es ist nett, wenn sich die Menschen
an einen erinnern.
Wenn dich das nicht abgeschreckt hat. Dann bau dir einen Schuppenpanzer
und ignorier diese Menschen einfach. Die sind nur neidisch! :-)
Inhalt
Der Unterbau
Erst einmal bevor es an die Schuppen geht brauchst
du einen "Unterbau", auf dem später die Schuppen
befestigt werden. Das Hemd oder was immer es ist, sollte recht stabil
sein, da sonst die Schuppen mit ihrem Gewicht den Stoff zu sehr
verziehen und damit ihr Muster verlieren. Besonders wichtig ist
das an den Schultern.
Ich
hab mir in einer Gerberrei drei Lederstücke besorgt, zwei müssen
groß genug sein, um je eine Körperseite zu bedecken.
Das dritte dient zur Verstärkung des Unterbaus.
Man kann natürlich auch dickeres Leder
nehmen, ist vielleicht sogar besser. Der Panzer erhält dadurch
einfach eine bessere Stabilität. Ich hatte leider nur dieses
Leder. Wenn ich Lust und Zeit hab, werde ich das auch machen, und
den Unterbau neumachen, mit dickerem Leder.
Die beiden Stücke hab ich dann zugeschnitten
und an den Schultern zusammengenäht. Ich hab einfach meinen
Körper vermessen an bestimmten Stellen (siehe Bild) und dann
diese Mase auf das Leder übertragen. Das Kopfloch nicht vergessen
und am besten, um später besser in den Panzer einsteigen zu
können noch ein Schlitz auf der Vorderseite. Der Schlitz kann
später mit einem Lederriemen zugeschnürt werden.
Die
graue Flächen zeigen an welchen Stellen ich das Leder verstärkt
habe. Ich hab dafür das dickere Leder genommen und es zugeschnitten
an die Unterseite angenäht. Für die Seiten einfach 4 Streifen
schneiden mit ca. 2cm Breite. Für die Schultern hab ich ein
Oval genommen, das die Breite der Schultern hat und ca. 15cm Breit
war. Auf dem Foto (links, unteres Bild) kann man die Verstärkung
recht gut sehen.
Jetzt fehlen nur noch ein paar kleine Schritte. Zum einen sollte
man die Löcher am Brustschlitz machen, jetzt kann man noch
gut mit der Lochzange reinkommen. Ich hab die Löcher dann noch
mit einfachen Ösen, wie man sie in jedem Nähladen bekommt
verstärkt.
Wenn du später den Panzer an den Seiten zuschnüren willst,
solltest du auch diese Löcher jetzt schon stechen, und am besten
mit Ösen verstärken.
Ich wollte es erst so machen, bin dann aber
doch bei der Überwurf-Version geblieben. Ich schnalle mir einen
Gürtel um, und der hält den Panzer auch gut zusammen.
Damit haben wir uns den Unterbau gebastelt. Das
war die leichte Arbeit. Jetzt geht es an den eigentlichen Panzer:
Die Schuppen!
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Die Schuppen
Was
ist wohl das wichtigste an den Schuppen? Ich würde sagen die
Form der Schuppen. Das ist das, was am meisten auffällt und
was den Eindruck macht. Ich habe, bevor ich anfing, mich hingesetzt
und mir den Kopf über mögliche Formen zerbrochen. Am Ende
bin ich dann doch bei der einfachsten Form geblieben.
Die einfache Form ist schlicht, aber die sieht nicht schlecht aus.
Der einzige Nachteil ist (naja kein richtiger Nachteil), dass man
beim Zuschneiden, jede Schuppen einzeln schneiden muss. Deswegen
bin ich auf die beiden sparsamen Formen gekommen. Mein Hintergedanken
dabei war, Formen zu finden, die sich ohne Überschuß
ergänzen (jeder kennt doch Escher-Zeichnungen). Vorteil man
macht einen Schnitt und muss nicht extra nachscheiden. Nachteil:
Es enstehen Spitzen und damit eine erhöhte Verletzungsgefahr!
Die richtige Größe bekommt man sehr einfach heraus. Man
nehme etwas Papier und schneidet die Schuppen aus, dann kann man
sie auch schon mal auf das Leder legen und mit den Mustern spielen.
Einfach mehrere Größen ausprobieren, irgendwann findest
du schon eine Größe, die dir gefällt.
Ich hab mich für eine Größe
von 5cm x 7,5cm entschieden. Größere Schuppen fand ich
einfach zu groß und damit auch zu unbeweglich, kleinere wären
cool gewesen, aber einfach zu viel Arbeit. Denk daran, dass du jede
Schuppen einzelen bearbeiten und befestigen musst.
OK wir haben jetzt unsere Schuppenform und Größe.
Aber welches Material nehmen wir? Metall, Dickes Leder oder Horn?
(Ja ein Freund will sich einen Hornschuppen-Panzer bauen)
Das ist euch überlassen. Ansich macht das nicht viel Unterschied
für die Verarbeitung später.
Wenn ihr Metallschuppen nehmt, dann dürft
ihr jetzt einen Schlosser oder so suchen, der (dumm genug ist) dir
die Schuppen zu schneiden. Es ist eine *** Arbeit. Ich war so glücklich
einen Schlosser zu kennen, der so nett war mir die Schuppen zu machen.
:-) Er hätte es nicht gemacht, wenn er vorher gewusst hätte
wieviel Arbeit das ist. Ich kann leider nur berichten wie er sie
gemacht hat, da ich nicht dabei war und kann so keine Tipps geben.
Er hat das Metall erst in Streifen und dann in Vierecke geschnitten,
die dann die richtige Größe hatten (Also bei mir 5cm
x 7,5cm). Der Vorteil ist, diese Arbeit geht noch maschinell. Dann
musste er die Rundungen mit einer Blechschere per Hand (!) auschneiden.
Er stand glaube ich mehrmals kurz vor einer Sehnenscheidentzündung.
Er hat mich gebeten ihn nicht namentlich zu nennen, da er keine
Lust hat das noch mal zu machen. Zurück zum Thema.
Wenn
ihr dann die Schuppen geschnitten habt, solltet ihr darauf achten,
dass die Kanten nicht zu scharf sind, man kann sich da sonst höllisch
verletzen! Ich hab einfach einen Bandschleifer auf den Kopfgelegt
und die Ecken und Kanten rundgeschliffen. Wie du das dann am besten
machst, musst du selber ausprobieren. Man bekommt mit der Zeit ein
Gefühl dafür. Die Schuppen sollten halt so abgeflacht
sein, dass man sich nicht leicht schneiden kann. Es gibt bestimmt
andere Möglichkeiten.
Noch ein Tipp arbeitet nicht mit dem Bandschleifer
im Freien, wenn ihr nervige Nachbarn habt. Ich bin angemacht worden,
weil es scheinbar zu laut gewesen sei. Also einfach in eine Werkstatt
gehen oder halt dahin, wo es keine Beschwerden gibt.
Jetzt bist du fast fertig. Es fehlen noch die
Löcher, um die Schuppen zu befestigen. Ich hatte die Möglichkeit
einen großen Standbohrer zu benutzen. Damit ist es dann verdammt
einfach. Immer 10 Schuppen zusammen in den Schraubstock und durchbohren.
Es hat mich nur 4 Bohrer gekostet. Ohne Standbohrer geht es bestimmt
auch, wenn es schwieriger sein wird. Die Schuppen in einen Schraubstock
und dann beim Bohren darauf achten, dass du senkrecht bohrst. Die
Löcher sollte auch möglichst regelmässig sein. Dann
ist es nachher einfach die Schuppen zu verarbeiten.
Ich hatte, als ich den Panzer gebaut habe, nicht
genug Zeit, da der nächste Con (Chamberlords live) vor der
Tür stand (ich musste sogar den Panzer auf dem Con noch
zusammenbauen). Ich hab die Schuppen einen Con lang ohne
jeden Schutz getragen, und so sahen die Schuppen danach auch aus.
Aussen weniger verrostet aber auf der Unterseite völlig rostig.
Es war nur ein sehr dünner Belag aber trotzdem.
Ich hab dann meine Schuppen nochmal abnehmen müssen und sie
gegen Rost geschützt. Muss man nicht machen, aber ich wollte
es. Um die Schuppen zu schützen kann man sie z.B. mit einem
matten Klarlack bestreichen. Das verfälscht nicht sehr das
Aussehen und schützt die Schuppen.
Ich hab noch was anders gemacht. Ich hatte irgendwann mal die Idee
die Schuppen schwarz zu sprühen. Schwarz sind sie nicht geworden,
aber silber. Dafür hab ich ein Spray genommen, dass ich direkt
auf den Rost sprühen konnte. Das Spray ist nicht nur silbern,
sondern hat auch eine Struktur. Die Farbe bekommt beim trocknen
eine Struktur und sieht dadurch beim Betrachten nicht ganz so künstlich
aus.
Problem beim Sprühen oder bestreichen: Die Schuppen reiben
beim Laufen aneinander und reiben so an manchen Stellen den Lack
wieder ab. Das ist aber so gering, dass es kaum was ausmacht. Der
Panzer soll nicht für die Ewigkeit halten.
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Befestigen der Schuppen
Jetzt hast du den Untergrund und die fertigen Schuppen.
Also alles was nötig ist. Es gibt 2 Möglichkeiten die
Schuppen zu befestigen. Entweder mit Nieten oder mit Schnüren.
Nieten haben den Vorteil, dass die Schuppen fester befestigt sind,
es macht aber mehr Arbeit. Und sind sie erstmal dran gehen sie so
schnell nicht mehr ab. Noch ein Vorteil ist, dass sie sich nicht
so viel bewegen können, und daruch weniger Lärm machen.
Was für Nieten man nehmen kann weiss ich jetzt nicht, da ich
keine Nieten benutzt hab. Sie sollten aber auf beiden Seiten keine
scharfen Kanten haben. Auf der Innenseite liegen sie direkt auf
der Kleidung und aussen sieht man sie an manchen Stellen.
Bei den Schnüren ist der Vorteil: Man kann jeder Zeit einzelne
Reihen wieder abmachen, Schuppen auswecheln und wieder befestigen.
Wenn man die Schnüre richtig verknotet lösen sich die
Schuppen auch fast nicht.
Jetzt
fehlen noch die Löcher auf der Unterlage. Dafür die Unterlage
flach ausbreiten und am besten untenanfangen. Legt die Schuppen
Reihe für Reihe auf die Unterlage. Erstmal nur eine Seite.
Das schwierige hierbei ist, dass man unten anfangen muss, es aber
nachher oben stimmen muss. Wenn du dann oben angekommen bist, einfach
solange die Schuppen hin und her schieben bis es passt und gut aussieht.
Sehr wichtig! Die letzte Reihe der Vorderseite und die letzte Seite
des Rückens müssen mit den Löchern der Schuppen soweit
auseinandersein, dass der Abstand der Löcher (Schuppen vorne
- Schuppe hinten), dem Abstand der Löcher auf einer Schuppe
entspricht. Vielleicht hilft das Bild (rechts) beim Verständnis.
Jetzt makierst du durch die Löcher der Schuppen, die späteren
Löcher auf dem Leder. Reihe für Reihe. Makieren, Reihe
abbauen und wieder makieren. Wichtig dabei ist, dass du die Schuppen,
beim abnehmen nach den Reihen sortierst. Die Schuppen haben alle
leicht unterschiedliche Löcher (es sei denn du hast 100%ig
richtig gebohrt) und so kann man nicht einfach eine Schuppe an eine
andere Stelle setzen. Zumindest schlecht.
Wenn du alle Löcher makiert hast, darfst du ans Lochen. Man
nehme eine Lochzange und locht seine ca.150 Löcher pro Seite.
Die Löcher an den Seiten sind einfach, schwierig wird es, wenn
es an die Löcher in der Mitte geht. Aber mit etwas Geschick
und Geduld, kommt man überall hin. Dein Unterbau dürfte
danach wie ein Schweizer Käse aussehen. Jetzt kann man die
Schuppen befestigen.
Du
nimmst ein Stück Lederschnur und machst einen guten Knoten
in ein Ende. Dann fädelst du die Schnur in das unterste Loch
am Rand ein; von innen nach aussen! Aussen dann von hinten durch
das erste Loch der Schuppe und wieder zurück durch das andere.
Dann durch das zweite Loch im Leder und im dritten wieder nach vorne
usw. Wenn du am Ende der ersten Reihe angekommen bist, ziehst du
noch mal die ganze Reihe fest. Bei jeder Schuppe einzeln die Schnur
straff ziehen, dann sitzen die Schuppen richtig fest. Die Schnur
sollte am Ende auf der Innenseite des Leders herauskommen. Jetzt
noch einen Knoten machen, der darf nicht zu viel Spiel haben, sondern
muss dicht am Leder schliessen.
Es kann sein, dass die Löcher im Leder zu groß sind und
die Knoten durchrutschen. Wenn das der Fall ist, dann einfach einen
zweiten Knoten setzen, um so einen größeren Knuppel zu
erzeugen oder eine Art Ring (z.B. Unterlegescheiben usw.) nehmen
und zwischen Leder und Knoten schieben.
Einfach
Reihe für Reihe jetzt die Schuppen auffädeln und festziehen,
bis zum Halsausschnitt. Hier wird es jetzt etwas schwieriger. Erst
muss man einfach in zwei Reihen arbeiten (links und rechts vom Schlitz).
"komplizierter" wird es dann bei der letzten Reihe an
der Schulter. Das ist sozusagen die "Schuppenscheide"
vorne-hinten. Am besten fängst du in dieser Reihe von Aussen
an. Es beginnt gleich wie bei den anderen Schuppen. Die erste Schuppe
wird normal aufgefädelt. Die zweite Schuppe wird nur halb aufgefädelt
(nur durch das erste Loch durch). Jetzt musst du eine zweite Schuppe
nehmen. Diese "extra" Schuppe wird dann nur durch ein
Loch aufgefädelt und zwar von hinten nach vorne. Dann wieder
durch das zweit Loch der zweiten Schuppe. Das Bild hilft vielleicht
beim Verständnis. Meine letzte Reihe bestand aus 4 Schuppen.
Ich hab also pro Seite 3 Extra-Schuppen gebraucht.
Wenn du dann den Rücken auch einfädelst, musst du natürlich
die extra Schuppe auch mitbedenken. Sie wird so eingefädelt,
dass sie dann nach Aussen zeigt. Sie bilden dann den Abschluss an
den Schultern. Wegen dieser Schuppen ist es auch wichtig, dass die
Löcher der Vorder- und Hinterseite dem Lochabstand auf einer
Schuppe entsprechen. Ist das nicht der Fall ist, es nicht möglich
die extra Schuppen einzufädeln!
Hast du diese Schuppen eingefädelt und den Knoten
gemacht. *trommelwirbel*
Tadadada Der Schuppenpanzer ist
fertig.
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Zutaten
- Unterbau:
- 2 Lederstücke mit gleicher Dicke und 1 Lederstück
(Verstärkung) etwas dicker
- Ösen, die Größe solltest du dir aussuchen
- Schuppen
- Metall eben das Material für die Schuppen
- Schleifpapier
- Lack, Rostschutz o.ä.
- Lederschnüre oder Nieten zum befestigen.
- Werkzeuge:
- Scharfes Messer (Leder)
- Nähmaschine
- Lochzange
- Hammer (zum ösen)
- Metallschneide-Werkzeuge
- Bandschleifer
- Bohrer
Das müssten alle Zutaten sein, die man zum
bauen eines Schuppenpanzers braucht. Wenn ihr Fragen , Probleme
oder andere Dinge eure Seele bedrücken, dann schreibt eine
Mail an Akleson. Ich würde
mich freuen, wenn ihr mir bescheid gebt, wenn ihr euch einen Schuppenpanzer
bauen wollt. Interessiert mich einfach. Vielleicht könnt ihr
mir dann auch mal ein Foto von eurem Panzer schicken.
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Viel Spass Akleson
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