Auszüge aus dem Tagebuch von Taraque (gesprochen: Tarak) aus dem
Lande der Wolfsmark:
Wolfmark
im Jahre 997, der Huf meines Pferdes stapft stumpf auf toten Leibern.
Die Tat ist vollbracht, geleitet durch unseren mächtigen Khagan
Ablaht von Korna stürmen wir den Gipfel des Dorfes Wolfsheim. Als
ich zu meiner linken hinabsehe, bemerke ich immer noch den abgetrennten
Schädel eines Mannes in meiner Hand, erschreckt darüber lasse
ich ihn fallen und blicke leer in den Raum. Die Welt um mich herum hat
sich verändert, gewandelt, wie aus einem tiefen Schlaf gerissen
wanke ich in meinem Sattel. Langsam treibe ich mein Pferd den Hügel
hinauf, ich höre Schreie aus dem Nebel gellen und finde mich in
einem Wald aus Pfählen wieder. Die weißen Augen der aufgespießten
Köpfe starren nach oben, die Münder stehen weit geöffnet.
"Taraque" ruft eine Stimme "die ist für dich!"
und ein junges Mädchen prallt an der Brust meines Pferdes ab und
fällt vor mir in den Dreck. Durch das blut- und schlammverschmierte
Gesicht blicken mich zwei verschreckte blaue Augen an. Instinktiv packe
ich das Mädchen an seinem Kleid und ziehe es auf mein Pferd, warum
das weiß ich nicht. Ihr schwacher Arm umschlingt meine Hüfte
und ich gebe meinem Pferd die Sporen und presche den Hügel wieder
hinab, die lauten Schreie meiner Männer hinter mir. Dann plötzlich
ein dumpfes Geräusch hinter mir, als ob man eine Axt in einen Baum
schlägt und der schwache Griff um meine Hüfte lässt nach.
Ich blicke nach hinten, sehe den toten Leib von meinem Pferd sinken
ein Pfeil in ihrer Seite steckend. Ich reite, reite weg von diesem Ort
des Grauens und kann nicht sagen wohin.
Woher
ich komme kann ich nicht sagen, wohin ich gehe weiß selbst ich
nicht. Ich bin ein Verstoßener ein Mann ohne Heimat. Mein Volk
nennt mich Verräter und dennoch suche ich. Zum töten wurde
ich ausgebildet, aber jetzt da ich versuche mich zu erinnern fällt
es mir immer schwerer einen klaren Gedanken zu fassen. Die Erinnerung
an meine Vergangenheit verblasst immer mehr, als ob sie es nie gegeben
hätte. Die Einwohner dieser Lande die mich erblicken, bewerfen
mich mit Steinen, ja versuchen mich sogar zu töten. "Unt"
und "Deifelsprut" schimpfen sie in einer Sprache die ich nicht
verstehe, ein unglaublicher Hass muss wohl in ihren Herzen gegen meines
Gleichen geschürt sein.
Vor ein paar Minuten ist mein treues Pferd seinen Wunden erlegen, die
ihm ein paar Bauern mit ihren Hunden zugefügt haben. Selbst die
Kräuter, die ich aus einem Kloster hier ganz in der Nähe gestohlen
habe, konnten ihm nicht helfen und da Eile geboten war musste ich es
mit samt seinem wertvollen Zaumzeug zurücklassen. Diese Bastarde
werden noch heute für ihre Tat bezahlen.
Fünf Menschen habe ich heute getötet ihre Häuser angezündet
und ihr Vieh geschlachtet, jetzt da meine Wut gestillt ist fühle
ich mich wieder elend. Aber ich muss weiter, kann nicht eine Spur der
Zerstörung hinter mir lassen.
Als ich heute durch den Wald streife, fallen mir ein paar seltsame
Gestalten auf. Sie tragen ein blaues Banner mit einem geflammten Helm
vor sich her. Unter ihnen befindet sich ein wohl edler Herr, mit Kette
gerüstet und einem blauen Wams, ein wilder Glatzkopf der einen
Rock trägt, mit wohl nichts darunter und einer großen Axt,
ein weiter Krieger, in Kette mit einem spitzen Helm auf, so wie ihn
die Mannen aus dem Norden tragen, ein rothaariger Haudegen, der wohl
dem Rauchkraut aus einer Pfeife verfallen zu schein seit, ein Jäger
mit güldenem Haar, der mit seinem großen, hier üblichen
Bogen, das Wild erlegt, ein Spielmann der schräge Töne aus
einem Holzkasten mit einer Kurbel erzeugen kann und einem rauen Kämpen
der einen Helm aus Metall trägt, der sein gesamtes Gesicht bedeckt.
Schwere Karren, die von Eseln gezogen werden führt dieser Haufen
mit sich, sie scheinen kein zu Hause zu haben, so wie ich, da sie alles
was sie zum leben brauchen in den Wagen befindet. Ich denke ich werde
ihnen ein paar Tage unauffällig folgen, vielleicht ergibt sich
ja eine Möglichkeit mit ihnen Kontakt aufzunehmen, denn allein
werde ich nicht mehr lange überleben.
Heute ist es geschehen, ein Esel hat sich an der Wurzel eines Baumes
das Bein verstaucht. Die Gefährten schienen in dieser Situation
recht hilflos zu sein, ist doch keiner von ihnen in der Kunde des Heilens
gebildet. Nachdem ich meinem Herzen einen Ruck gegeben habe, trete ich
aus meinem sicheren Versteck heraus. Sofort greifen sie zu ihren Waffen,
rufen Dinge die ich nicht verstehe, bedrohen mich. Angst macht sich
in mir breit, sollte das ein Fehler gewesen sein? Nur zögerlich
lasse ich den Bogen aus meiner Hand fallen und deute auf das verletzte
Tier. Der grimmige Mann mit der Glatze lässt mich misstrauisch
passieren, mein Aussehen scheint ihn wie die üblichen Bewohner
des Landes zu irritieren, ja sogar wütend zu machen, dennoch, ich
helfe dem Tier, schiene sein Bein. Sie stecken ihre Köpfe zusammen,
bereden etwas und schließlich fordert mich der edle Herr in seinem
blauen Wams auf, nach vollbrachter Arbeit, mit ihnen zu ziehen. Offenbar
bin ich ihnen von nutzen.
So lernte ich die Allianz der 6 Schwüre kennen, ihr Bund ist stark
und im Moment sind sie die einzigen denen ich mein Vertrauen schenken
kann. Sowohl meine Unfähigkeit mit ihnen in ihrer Sprache zu sprechen,
als auch ein Misstrauen dessen Ursprung ich noch nicht herausgefunden
habe, halten mich noch von ihrem Vertrauen fern. Sie alle scheinen aus
verschiedensten Teilen des Landes und unterschiedlichsten sozialen Schichten
zu kommen, so besteht für mich sogar eine Möglichkeit sie
eines Tages Freunde zu nennen.
Zum besseren Verständnis diese Charakters, hier ein paar Erläuterungen
Taraque entstammt den "Schwarzen Teufeln", einem Steppenvolk
den historischen Awaren (berittene Bogenschützen) sehr ähnlich.
Dieses Volk ist in der Wolfsmark,
einem Land der Mittellande, angesiedelt und dient der dortigen Baronin
als ein Teil ihres Heeres. Ursprünglich aus dem Osten kommend,
haben sie sich aber über die Jahrhunderte hinweg, dort mehr oder
weniger integrieren können. Dennoch aber ihre Kultur und Sprache
beibehalten. Man munkelt, dass ein Fluch oder Bann auf den Reitern lastet
der sie zu Greultaten, wie das Massaker in Wolfsheim, bewegt hat. Genau
von diesem Fluch scheint Taraque entkommen oder befreit zu sein. Er
bezahlt aber diese "Freiheit" mit der ständigen Missachtung
der ländlichen Bevölkerung, die die Schwarzen Teufel ja nur
als plündernden Haufen kennen, die mordend und raubend durch die
Dörfer ziehen.
Taraques Brieftaube
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