Taran der Jäger

Tarans Vater ist Wildhüter des Grafen von Eichbach-Königsbrück im Großfürstentum Nuremburg und treuer Diener des Landesherren. So kam es, daß sein Sohn Taran im Sommer des Jahres 26 n. A. III die Schwester des Grafen, Liesbeth Isolde Amalie Cäcilie Nothburga Crescencia Tusnelda Kunigunde von Eichbach-Königsbrück, Verweserin von Eichstedt, Patronin der gräflichen Almosenkammer und herzogliche Ehrenjungfer, auf einer diplomatischen Mission in die Abtei Eberstein begleiten mußte. Es handelte sich offensichtlich um Erbstreitigkeiten, warf doch die Grafenschwester Abt Notker vor, sich das Land des verstorbenen Barons von Friedberg, das ihr zustand, unter den Nagel gerissen zu haben. Taran hatte mit Diplomatie nicht viel am Hut, er sollte lediglich für die Unversehrtheit der Schwester des Grafen Sorge tragen. Sein Gefährte Wolfen begleitete ihn glücklicherweise auf dieser Reise, die so gar nicht für ihn geschaffen schien. Während ihres Aufenthalts in der Abtei konnte Liesbeth ihre Forderungen aber nicht durchsetzen. Der Abt setzte sie mit Hilfe seiner Waffenknechte fest. Taran und Wolfen gelang die Flucht aus der Abtei in die nahen Wälder.
Fortan hauste Taran in den Wäldern der Grafschaft und wagte nur nachts, in sein Heimatdorf zurückzukehren. Seine Familie legte ihm nahe, Eichbach-Königsbrück zu verlassen, denn hier sei er seines Lebens nicht mehr sicher. Die Amtsstuben hatten häßliche Schriftstücke verfaßt, auf denen nach ihm gesucht wurde. So zog er zusammen mit Wolfen in die Markgrafschaft Norrland-Brassach, immer in der Hoffnung auf eine neue Anstellung als Jäger oder Waldläufer.

Es war in der 1. Poëna im Jahre 26 n. A. III, als Taran, Wolfen, ein weiterer Jäger und ein Barde namens Salis Alba in einen Hinterhalt von vagabundierenden Ödländern gerieten und Zuflucht in der Eichenburg der Provinz Thalion fanden. Man beschloß, die Gastfreundschaft für einige Tage in Anspruch zu nehmen, bis die Lage um die Burg sicherer geworden war. Doch unversehens gerieten Taran und seine Gefährten in ein Gespinst von Machtpolitik und Intrigen der herrschenden Obrigkeit, mit dem sie eigentlich nichts zu tun haben wollten. Man beauftragte sie zunächst, Nachforschungen über den Mord an einem Boten anzustellen. Sicherlich ein lukrativer Nebenerwerb, doch schien der Leutnant der Grauburger Garnison am nächsten Tag kein Interesse mehr an diesem Fall zu haben. Vermutlich wollte er sich nur vor einer Entlohnung drücken! Darüber hinaus wehten seit dem Morgen neue Banner über der Burg. Offensichtlich hatte man sich entschlossen, einem anderen Herren zu dienen. Sei's drum, sollte es wieder um etwaige Erbstreitigkeiten gehen, wollte Taran sogleich die Finger davon lassen. Außerdem hatte ihn die Neugierde gepackt. Während einer nächtlichen Messe waren bleichgesichtige Wesen erschienen, die ihn zu einem Rätselspiel überredeten. Mit Hilfe eines Schlüssels konnten er und andere Besucher der Burg in ein magisches Labyrinth gelangen und verschiedene Rätsel lösen, um schließlich die an diesem Ort gebundenen Seelen zu befreien. Während der Erkundungen gelangte Taran in den Besitz eines Dracheneies, das ihn fortan vor dem Unbill der Drachen und anderer Echsenwesen schützen sollte.

Da Taran in Norrland-Brassach keine Anstellung fand, machte er sich mit seinem neuen Gefährten Salis auf in Richtung Norden. Er hatte von einem großen Fest gehört, das gegen Jahresende in der Taverne "Zum Tanzenden Heller" in Flandern stattfinden sollte. Hier traf er überraschenderweise Falba Zwackzeh, eine Koboldin, die bereits in der Abtei Eberstein zu den Gästen zählte (offensichtlich ihre Profession). Auch in dieser Gegend wurde den Leuten übel mitgespielt - im wahrsten Sinne des Wortes. Ein selbsternannter "König" lud zum Feste und bannte einen kleinen Kreis der Gäste in ein seltsames Brettspiel. Die Armen mußten ihre Figuren zum Ziele führen, ob sie nun wollten oder nicht. Glücklicherweise wurde Taran nicht von diesem Zauberwerk befallen und so konnte er sich mit Bauer Altan ausgelassen über die Viehzucht unterhalten. Seine Kühe waren doch tatsächlich in der Lage, selbständig zu ihrer Weide zu trotten, um abends pünktlich wieder im Stall zu stehen!
Der Norden war aber doch nicht ganz das Wahre. Die Leute redeten so unverständlich, wilde Magie bemächtigte sich ganzer Landstriche samt Bevölkerung und Vieh und überhaupt war der Norden nicht gut für die Gesundheit und das Seelenheil, sagte man im Großfürstentum. So beschloß Taran, nach Erlenhang zurückzukehren.

Im Sommer des Jahres 27 n. A. III weilte Taran wieder im Großfürstentum Nuremburg, immer noch auf der Suche nach einer neuen Anstellung. Mittlerweile hatte er sich mit drei anderen Abenteurern - dem Jäger Sludig, seiner Begleiterin Charystra und der Händlerin Eressea - zusammengetan und sich an das vagabundierende Abenteurerleben gewöhnt. Auf ihrem Weg trafen sie auf das Rittergut derer von Rauhenthal und man beschloß, den hohen Herren einen Streich zu spielen. Taran und seine Begleiter berichteten von einem Angriff wilder Wölfe und ließen sich im hochherrschaftlichen Haus gesund pflegen. Die Geburtstagsfeier einer Rauhenthaler Tochter kam ihnen nur gelegen. Doch sollte sich ihre Dreistigkeit rächen. Am nächsten Morgen wurde der Herr des Hauses tot in seinem Gemach aufgefunden, die Abenteurer des Mordes beschuldigt. Natürlich hatte niemand etwas mit dem Vorfall zu tun und man konnte die Herrschaften schließlich von ihrer Unschuld überzeugen. Am Ende mußte der Hauspriester daran glauben, auch wenn nie herauskam, ob er nun der Täter war oder nicht. Tarans Freunde zogen weiter, während er selbst an diesem Rittergut eine Anstellung als Jäger erhielt. Als im Winter der einzige Erbe von Rauhenthal in einer Schlacht starb, begab sich die verwitwete Freifrau Martha von Rauhenthal unter den Schutz des benachbarten Freiherren von Feuerstein. Der Haushofmeister und das unfreie Gesinde folgten ihr, alle anderen, so auch Taran, verloren ihre Anstellung. Der Gutshof zu Rauhenthal verwaiste, bis er zur Jahreswende in den Besitz eines Nuremburger Patriziers überging, der ihn an einen findigen Wirt verpachtete. Doch dies ist eine andere Geschichte.

Wieder auf der Wanderschaft, traf Taran auf seinen Freund Salis Alba und Karim, einen Koch. Man verstand sich gut und beschloß, fortan gemeinsam durch die Lande zu ziehen. Nahe der Berge im Süden wurden sie Anfang des Jahres 28 n. A. III Zeuge einer Königswahl von Elfen. Der Wald, in dem sie lagerten, beheimatete die unglaublichsten Wesen, die man nur aus Märchen und Legenden kannte: Oger, Orks, Dryaden und Kobolde. Nachdem Taran dem Fluch eines Kobolds erlegen war und mit einer Schar von Abenteurern einen Koboldschatz suchen mußte, ging er schließlich mit zwei Handvoll Gold und einem magischen Dolch aus dem Abenteuer hervor. Die Waldwesen segneten ihn mit der Fähigkeit, nie im Wald verhungern zu müssen. Soviel Reichtum und Magie war ihm aber nicht geheuer, und so zog er zusammen mit Salis und Karim von dannen, neuen Abenteuern entgegen.

Der Winter zog ins Land und Taran, Salis und Karim beschlossen, einen sicheren Unterschlupf vor Schnee und Kälte zu finden. Die nahe des Elfenwaldes gelegene Schloßruine Rebenberg versprach einen gewissen Schutz. Wie der Zufall es wollte, kehrte dieser Tage die Gräfin zurück in dieses Schloß, um es wieder bewohnbar zu machen und neue Dienstmannen anzustellen. Das ließen sich die Gefährten nicht zweimal sagen. Doch war das Anwesen verflucht, das Tor plötzlich durch einen magischen Nebel versperrt, und die Gäste wurden von geheimnisvollen Schatten angegriffen. Unterhalb der Burgschenke tat sich ein verborgener Keller auf, aus dem eine schier nicht enden wollende Schar von Trollen drängte. Aber mit gemeinsamen Kräften schlugen sie die Übermacht und Taran konnte seinen neuen halborkischen Freund Morserek aus den Fängen dieser Kreaturen befreien. Als Dank versprach Morserek, Taran den Winter durchzufüttern. Gemeinsam verbrachten sie die kalten Monate auf dem befreiten Schloß und Taran lernte auch die anderen der "Allianz der 6 Schwüre" kennen.

Die Wintermonate waren sehr aufregend, und nachdem Morserek und Taran das Geheimnis um einen verborgenen Tempel in den Wäldern um Schloß Rebenberg gelüftet hatten, zogen sie weiter in die Markgrafschaft Norrland-Brassach. Markgraf Kalveram lud zum Feste, und wie mittlerweile bekannt sein dürfte, lassen sich unsere Gefährten einen solchen Anlaß nicht entgehen. Zwar fielen sie als Bauern und einfaches Volk unter all den Adeligen ziemlich auf, doch erstaunlicherweise setzte sie kein Diener vor die Türe, selbst als sie sich zum Männerchor zu Ehren Kalverams gesellten und mitsangen, im Tanzsaal vor die Füße des Markgrafen rutschten oder unverfroren mit den adeligen Frauen das Tanzbein schwangen.

Zusammen zog man weiter und schloß sich Mitte der 1. Poëna des Jahres 28 n. A. III in Jolberg einer Expedition von Fredricaja von Rankenwies und Roland von Welheim an, um Neuland im Norden Ostariens zu erkunden.

Nach einer erfolgreichen Expedition und reicher Besoldung machte Taran sich mit der Gruppe der Allianz auf den Weg entlang des Jolborn nach Vjoshaven, um den alljährlichen Turneyspielen zu Ehren der Schutzpatronin Lanera beizuwohnen. Großes Unglück wurde Taran zuteil, als ihm bei der Jagd sein Bogen brach. In seinen Verzweiflung richtete er am Saarkaschrein einen Wunsch an die Göttin, und ein Wunder geschah: Saarka schenkte ihm einen neuen, geweihten Bogen. So versprach er, auch weiterhin ihren Namen in Ehren zu halten und ihr zu huldigen. Doch da man von Wundern allein nicht leben kann, meldete er sich zusammen mit den Recken der Allianz zum Heeresdienst gegen die Ödländer.

Tarans Brieftaube     zurück zur Übersicht