Es
war eine stürmische Winternacht im Jahr 979 als das Langhaus
Bergviors von markerschütterndem Geschrei durchdrungen wurde.
Sein angetrautes Eheweib Fastrid hatte soeben seinen ersten Sohn
und Stammhalter geboren: GRIMULFR.. Draußen war ein furchtbares
Schneegestöber und der eiskalte Wind pfiff scharf durch die
Ritzen der Wände als Fastrid ihren Neugeborenen das erste
Mal in die Arme schloss und ihn vorsichtig in ein wärmendes
Bärenfell hüllte. Es schien als ob Thor, der Herrscher
über Donner, Wind und Stürme persönlich auf die
Erde gekommen war um seine ganze Macht in dieses Unwetter zu legen.
Stolz hob Bergvior seinen Sohn in die Luft und zeigte ihn der
ganzen Sippe, die um sein Feuer versammelt war. Dann öffnete
er die Tür und warf Grimulfr raus in den Schneesturm, denn
das Leben auf Voltar ist hart und es ist gut, die Seinen früh
an das entbehrungsreiche Leben und die unwirkliche Gegend zu gewöhnen.
So wuchs Grimulfr, von seiner Familie behütet, in dem kleinen
Dorf seiner Sippe auf, half seinem Vater beim Bestellen seiner
Felder, erlernte das Fischen im Reginfjord und das Jagen in den
Wäldern. Viermal im Jahr begleitete er seinen Vater nach
Hârklinhaven, das zwei Tagesmärsche nördlich gelegen
war um zu Handeln und zu Tauschen. Trotz allem blieb ihm aber
immer noch genug Zeit, um mit seinen Altersgenossen zu spielen
und im Wald herumzutollen. Oft streifte er mit Ragna, Geiras Tochter
durch die Wiesen und Wälder, sie spielten Fangen oder fingen
die Fische in den Bächen mit der Hand und es war selten,
dass sie weit vor Sonnenuntergang in ihr heimisches Langhaus zurückkehrten.
Als Grimulfr 16 Lenzen zählte, gestattete ihm sein Vater
erstmals ihn auf eines ihrer Reisen mit dem Skarfi zu begleiten.
Denn jedes Jahr verließen alle freien Männer des Dorfes
Mit ihrem Schiff den Reginfjord um einige Monde später mit
seltsam fremdartigen Schmuck und anderen Kostbarkeiten zurückzukehren.
Am Abend vor der großen Fahrt wurde Wie üblich ein
großes Gelage veranstaltet und Bergvior übergab seinem
Sohn feierlich sein erstes Schwert, auf das er seinen Mut und
seine Tapferkeit auf dem Raubzug unter Beweis stellen möge.
Dann wurde ein riesiges Trinkhorn voll Met herumgereicht und Grimulfr
trank Auch davon. Dem ersten folgte ein zweites und drittes und
so ging es immerfort bis spät in die Nacht, die Männer
sangen und erzählten Geschichten über Tyr, dem Kriegsgott,
der eine Hand im Kampf mit dem Riesenwolf Fenrir verlor und Odin
auf seinem achtbeinigen Totenpferd Sleipnir. Bald lag Grimulfr,
vom vielen Met ganz benommen unter der Tafel und schlief ein.
Er mag wohl drei Stunden geschlafen haben als er sanft von einer
lieblichen Hand Geweckt wurde. Es war Ragna, seine Spielgefährtin
und sie bedeutete ihm, ihr nach draußen Zu folgen. Vorsichtig
schlich er sich an den schlafenden Männern vorbei und stand
alsbald mit Ragna vor der Tür des Langhauses. Er öffnete
den Mund um etwas zu sagen aber sie legte ihre Hand auf seinen
Mund und schüttelte nur den Kopf. Als Ragna ihn so berührte
durchfuhr es Grimulfr und er verspürte ein kribbeln, welches
er zuvor noch nie empfunden hatte. Doch Grimulfr sagte nichts
und ließ sich auch nichts anmerken und stumm spazierten
sie Richtung Fjord. Am Ufer angekommen setzten sie sich auf einen
großen Felsen und endlich begann Ragna zu sprechen. Sie
sprach von seiner bevorstehenden Reise und den Gefahren die auf
ihn warten würden. Sie sprach über ihn und auch über
sich. Und am Ende sprach sie über sie beide und dass sie
mehr für ihn empfand als nur Freundschaft und Grimulfr fühlte
ähnlich.
Bevor sie aufstanden um zum Langhaus zurückzukehren umarmte
Ragna Grimufr und küsste ihn auf die Wange. Dann zerriss
sie ihr Kleid und gab ihm einen Fetzen davon, als Glücksbringer,
aber auch damit er sie nicht vergessen möge. Zuletzt forderte
sie von ihm, dass Er um ihre Hand anhalten solle sobald er zurückgekehrt
war und Grimulfr versprach es ihr.
Als am nächsten morgen das Schiff in See stach, bekam Grimulfr
einen der 32 Ruderplätze zugeteilt und gab alles was er konnte,
damit sie bald das offene Meer erreichen würden. Das Wetter
war gut und sie kamen schnell voran und bald dachte er nicht mehr
an Ragna und sein Zuhause. So segelten sie mehrere Tage an der
Küste Voltars entlang und als sie am Gebirge Svadilsyn vorbei
waren, hielten sie sich westlich, aufs offene Meer hinaus. Ab
da begann der langweilige Teil der Reise, Wasser wohin man blickte
und er begann über Ragna nachzudenken und was sie gesagt
hatte. Bald kam er zu dem Entschluss sie zu heiraten und wie er
es versprochen hatte würde er sofort nach seiner Heimkehr
um ihre Hand anhalten.
Von da an war die Reise weniger langweilig, denn er träumte
ständig von seiner Zukunft mit Ragna. Als er wieder einmal
in seine Träume vertieft war durchbrach ein lauter Schrei
die Stille: "LAND, LAND IN SICHT!" Und tatsächlich,
am Horizont war ein grüner Streifen zu erkennen. Nun wurde
es hastig, jeder warf sich in seine Rüstung, packte sein
Schwert und sie bemalten sich mit furchtbaren Motiven auf dass
jeder Feind das Fürchten lernen würde. Endlich erreichten
sie die Nähe des Strandes und auf einem Hügel erkannten
sie mehrere Gebäude mit seltsamen Kreuzen auf den Dächern.
Kaum waren sie an Land, stürmten sie darauf zu, schrieen
wie wahnsinnig und Grimulfr war ganz berauscht von der Freude
auf den bevorstehenden Kampf. Kaum waren sie dort stellten sich
ihnen einige Männer in seltsamen Kutten in den Weg. Die Angst
war ihnen ins Gesicht geschrieben und sie hielten ihm zitternd
ihre Kreuze entgegen, als ob diese sie beschützen könnten.
Doch Grimulfr war längst in seinen Blutrausch verfallen und
so streckte er einen nach dem anderen hernieder bis niemand mehr
übrig blieb. Hernach rafften sie alles von Wert, das sie
finden konnten, zusammen, entzündeten die Dächer und
flohen zurück auf ihr Schiff. Dergleichen taten sie noch
drei Mal, bis ihr Schiff von der vielen Beute fast zu sinken drohte.
Nun war seit ihrem Aufbruch über ein halbes Jahr vergangen
und endlich machten sie sich auf die Heimreise.
Nach ruhiger Fahrt erreichten sie endlich den Steg und als dies
die Zurückgebliebenen bemerkten, rannten sie gleich freudenschreiend
hinunter zum Wasser, um die Heimgekehrten überschwänglich
zu empfangen. Sofort wurde die Beute abgeladen und gefeiert. Ein
jeder bekam seinen rechtmäßigen Teil. Auch Grimulfr
konnte vieles für sich behalten. Endlich war es soweit. Mit
seinen neuen Besitztümern würde er wohl leicht im Stande
sein, seine geliebte Ragna von ihren Eltern freizulösen.
Voll Vorfreude lief er zu dem Langhaus ihrer Familie um ihren
Vater um ihre Hand anzuhalten. Seine gesamte Beute nahm er als
Geschenke für ihre Eltern mit. Doch es traf ihn wie Thors
Hammer, als Ragnas Vater ihm eröffnete, sie wäre bereits
einem Anderen versprochen. Ohnmächtig vor Wut rannte er zu
Ulf, so war der Name des zukünftigen Mannes von Ragna und
forderte einen Grabenkampf. Ulf, drei Jahre älter als Grimulfr
und von überheblicher Art stimmte zu. So rief man also das
Thing zusammen und legte den Kampf auf den nächsten Morgen
fest. Ulf war Grimulfr an Stärke überlegen, doch konnte
er dies durch seine Schnelligkeit und seinen Zorn, der ihm die
Kräfte eines Wolfes verlieh, mehr als ausgleichen. So kam
es, dass Grimulfr den Ulf schlug und alsbald ging er wiederum
zu Ragnas Vater, um ihre Hand zu fordern. Doch dieser schäumte
wegen Ulfs Tod und so setzte er eine Auslöse fest, die weit
doppelt so hoch lag als Grimulfrs Besitz. Zähneknirschend
musste sich Grimulfr trollen, denn die Forderung war zwar mehr
als unverschämt, doch konnte er es nicht wagen an ihr zu
rütteln. Die nächsten drei Jahre arbeitete er hart um
an das Geld für Ragna zu kommen. Doch die Summe war zu hoch
und obwohl er sich alles vom Munde absparte, musste er erkennen
dass er alt und grau sein würde, bis er die Auslöse
zusammen hätte. Also verließ er das Dorf, jedoch nicht
ohne von Ragna das Versprechen zu fordern, keinen Anderen zu ihrem
Manne zu nehmen bis er wieder zurück sei und Ragna versprach.
Nun war Grimulfr auf sich gestellt und er wusste, dass er sich
beeilen müsse das Geld zu bekommen denn sicher würde
Ragnas Vater sie zur Heirat drängen, wenn er erst mal fort
war. So streifte er lange durch die Welt, ließ sich mal
als Söldner anheuern, mal jagte er Tiere um ihr Fell zu verkaufen.
Aber er verdiente bei weitem nicht genug. Als er eines Tages über
all dies nachsinnend durch den Wald zog, standen plötzlich
seltsame Gestalten vor ihm. Er war wohl so in Gedanken versunken
gewesen, das er sie nicht bemerkt hatte. Ein edel aussehender
Recke trat aus ihrer Mitte heraus und ging auf ihn zu. Gleichzeitig
formierte sich die Gruppe zum Schutz. Zwei spannten ihren Bogen
und ein weiterer Ritter, ein düsterer Mann mit Helm, ein
seltsam aussehender Barbar und ein verschlagener Geselle mit rotem
Schopf zogen ihre Schwerter. "Wohin des Weges" fragte
der Edelmann und Grimufr wusste darauf keine Antwort. Also fragte
er Selbiges den Edelmann und bekam zur Antwort, er wäre Akleson
und dies sei die Allianz der 6 Schwüre. Sie seien auf dem
Weg nach Falkenhain, denn der Baron habe sie um Hilfe gegen irgendwelche
Untoten gebeten und da gäbe es wohl manches Goldstück
zu verdienen. Da wurde Grimulfr hellhörig und stellte sich
seinerseits vor. Alsdann fragte er, ob er sie begleiten dürfe
denn auch er könne das ein oder andere Goldstück gut
gebrauchen und die Allianz gestattete es ihm. So zog er mit nach
Falkenhain und mit dieser tapferen Gruppe würde es wohl nicht
lange dauern, bis er genug Geld für die Ablöse zusammen
bekommen würde.
Grimulfrs Brieftaube
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