Vorwort
Die hier erzählte und noch weiter fortgesetzte Geschichte war
als Idee gedacht, um die Charaktere nach dem Con nicht in irgendein
"schwarzes Loch" fallen zu lassen. Wir (Taran
und Morserek)
wollten unseren Charakteren somit mehr Leben einhauchen, denn wer
kennt die Situation nicht, bei der man sich fragt: Was macht mein
Charakter hier eigentlich auf dem Con und wie ist er in dieses Land
gekommen? Und seien wir doch mal ehrlich, oft werden voreilige Notlösungen
getroffen, die aber immer einen seltsamen Beigeschmack haben; nämlich
den des Unrealistischen. Da wir noch zusätzlich recht weit
auseinander wohnen, machte es auch Sinn, uns in Zukunft auf diese
Art und Weise auf Cons zu "verabreden". Das Resultat waren
bessere In-time-Anreisen auch ohne eine Organisation von der Orga
aus, und es geht doch nichts über einen guten Start auf einem
Con!
Die Geschichte entwickelte sich zunächst eher zufällig aus gegenseitigen
E-Mails an unsere Charaktere. Was ganz banal mit einigen Sätzen begann,
wurde bald sehr viel umfangreicher und nahm die Form einer kurzen Erzählung
an, auf die der andere jeweils einging. Und immer wenn die Geschichte
am spannendsten wurde, übergab man die Schreibfeder mit der Frage:
"Wie wird der andere die Erzählung wohl weiterspinnen ...?"
Zum besseren Verständnis, ob nun Morserek oder Taran schreibt, haben
wir den Text zweifarbig dargestellt, sind zwischendurch kurzerhand ins
Präteritum gewechselt und haben eine lautmalerische Schreibung für
Morsereks Sprache entwickelt, die seine Fremdartigkeit als Halbork unterstreichen
soll. Intime redet Morserek eine Art slawischen Dialekt mit ziemlich dunkler
Stimme.
Nun denn, vielleicht findet Ihr gefallen an der einen oder anderen Anekdote
unserer beiden Helden und tut es uns gleich, indem Ihr die Schreibfeder
spitzt und Eure Geschichten zu Papier bringt. Viel Spaß beim Lesen
wünschen Felix und Alex.
Zum besseren Verständnis: Morsereks Texte sind in grau,
Tarans in weiss geschrieben.
Die Erkenntnis
So, Du willst also mehr über Halborks wissen,
nun, ich werde Dich in die dunklen Geheimnisse (dramatische Musik!) einweihen:
Orks kreuzen sich mit fast jeder anderen humanoiden Rasse, ob freiwillig
oder unfreiwillig. Die einzige Ausnahme stellen dabei Elfen dar, die Götter
wissen nur, warum. Die Bastarde von Orks mit anderen Arten nennt man Halborks.
Am häufigsten sind: Orkgoblins (bäh), Orkhobgoblins (BÄHH)
und Orkmenschen (nein wie hübsch, das bin ja ich!). Halborks scheinen
ihre orkischen Züge sehr zu bevorzugen, daher werden sie oft mit
reinen Orks verwechselt. Oftmals gehen sie aber auch einfach als häßliche
Menschen durch, bitte jetzt keine schlechten Witze ;-). Sowohl menschliche
als auch orkische Kulturen mißtrauen Halborks, denn sie erinnern
jeden an die Rasse des jeweils anderen. Leider gibt es nur sehr wenige
Menschen oder Geschöpfe, die über diese Oberflächlichkeiten
hinwegsehen und die Halborks als vollwertig betrachten. Diese können
sich aber glücklich schätzen, einen guten Freund fürs Leben
gefunden zu haben ...
Oh, oh, jetzt bin ich in die dunkelsten Geheimnisse der Halborks eingeweiht,
nun gibt es kein Entrinnen mehr vor Dir!
"Erlaubt mir die Frage, dient Euer Helm der reinen Zierde oder verbergt
Ihr eine gar häßliche Narbe, die Euer menschliches Antlitz
entstellt?" Du bist Dir nicht sicher, ob die Frage Deines Gegenübers
ernst zu nehmen oder eher rhetorisch gemeint war. Aber egal, rhetorisch'
sagt Dir eh nichts und Deine letzte Schlägerei lag bereits eine Stunde
zurück. Du musterst Dein Opfer für einige Sekunden, läßt
plötzlich Deine Hand nach vorne sausen und packst sein braunes Wams
mit festem Griff. Deine Krallen dringen durch grobes Leder und Wolle,
reißen die Haut auf wie dünnes, brüchiges Pergament und
lassen dunkles Blut zwischen Deinen Fingern hervorquellen. Mit einer einzigen
Bewegung ziehst Du Deinen Gegner heran, Dein fauliger Atem streicht über
sein Gesicht und bringt ihn an den Rande der Besinnungslosigkeit. "Ich
chabe kein mänschliches Antlitz!" brüllst Du immer wieder
und schüttelst den Jäger, bis Dein wallendes Blut sich beruhigt
hat. Der junge Mann bricht verletzt vor Dir zusammen, doch als er sein
Haar aus dem Gesicht wischt, treffen Dich zwei schelmisch funkelnde Augen:
"Nun gut, einigen wir uns auf gar häßliche Narben, die
Euer h a l b o r k i s c h e s
Antlitz entstellen ..."
Nein, nein, ich werde keine Witze machen, ich verspreche es. Dafür
verstehen wir uns viel zu gut (würdest Du mal den Helm abnehmen ...).
Wir sollten zusammen weiterziehen und einen Platz für den Winter
finden. Die Gräfin war nicht sehr spendabel für unsere Hilfe
und wollte mich auch nicht am Hofe anstellen, und so stehe ich wieder
ohne Sold da und der Winter naht. Hast Du Freunde hier in der Gegend,
wo man die kalten Monate über bleiben könnte, oder kennst Du
Herren, die guten Sold auszahlen?
"Ja, ich chabe gute' Freunde in der
Gägend gefunden. Soeben sprach mich diesä einäugige Kriegerin
an, wänn Du Dich erinnerst. Sie ist ein Oberhaupt einer Gilde, bechauptet
sie, und sie wär nicht abgäneigt, wenn ich in ihre Dienste treten
würde. Zunächst aber wärde ich mit Kylen den Wintär
auf dieser Burg verbringen. Im Saarka' (Januar), werden wir dann
in unsere geliebtä Cheimat zurückkehren. Salis hat doch gesagt,
er chätte eine Karte? Solange werde ich Dich hier mit durchfüttern,
der Sold reicht für zehn Mann."
Du bist Dir nicht ganz sicher, ob Du dieser Kreatur trauen kannst. Dein
Verstand sagt Dir zwar, sich lieber von ihr fernzuhalten, Dein Magen allerdings
hat die besseren Argumente. "Nach allä dem, was wir durchgemacht
chaben, ist das das Mindeste, was ich für Dich tun kann. Du hast
main Läben gerettet, ich stehe in Deiner Schuld."
Der Halbork greift in seine Tasche und drückt Dir ein kleines, unbearbeitetes
Stück Gold in die Hand. Natürlich wäre es jetzt für
Deine geschickten Finger kein Problem, diesem Monstrum den Rest des Beutels
zu entlocken, aber zu selten in Deinem Leben wurden Dir Geschenke gemacht.
"Nun, was sagst Du, bis Saarka hier blaiben und dann nach Heligonia!
Dort findet ein Adelstag statt, das cheißt jedä Mengä
Dukaten! HAHAHA!"
Taran hält noch immer das Goldstück in seinen Händen und
dreht es gedankenverloren, während sein Blick den Schattierungen
und Brechungen des Lichtes auf dessen Oberfläche folgt. Du bist Dir
nicht sicher, ob Du den Jäger nun erfreut oder beleidigt hast, seine
Miene zeigt keine Regung im späten Sonnenlicht. Der Schrei eines
Raubvogels reißt ihn aus seinen Gedanken. Er hebt langsam den Kopf
und blinzelt in den Himmel, bis er einen schwarzen Schatten ausmacht,
der die Sonne kreuzt.
"Hoffentlich kommt er ihr nicht zu nahe und verbrennt", murmelt
er, während er dem Lauf des Falken folgt.
Eigentlich kann der Kontrast nicht stärker sein: Die lebendigen Schwingen
verlieren jede Farbe, sobald sie sich dem feurigen Tod nähern; der
Tod jedoch strahlt in gleißendem Licht. "Manchmal fühle
ich mich wie dieser Vogel, schwarz und hoffnungslos."
Ihr sitzt allein auf der obersten Felskante des Drachenkopfes, eines
kleinen Berges mit Blick auf die Burg und den großen Strom, der
sich zwischen den Weinbergen gen Norden schlängelt. In der Ferne
kann man den Turm des Münsters erblicken, der vom reichen Argentoratum
kündet. Taran blickt Dir in die Augen: "Ich glaube, Du weißt,
wovon ich spreche." Sein Blick gleitet über Deinen Helm, die
grünschuppige Haut, die klauenbewehrten Pranken. "Auch Du wirst
es nicht immer leicht gehabt haben, unter uns Menschen. Trotzdem reichst
Du mir die Hand und bietest mir Unterkunft und Verpflegung für den
Winter. Du erstaunst mich wirklich zutiefst. Ich weiß nicht, ob
ich nun einen Fehler begehe, aber ich nehme Deine Hilfe an. Gerne sogar."
Die Augen des Jägers blitzen verschmitzt auf, seine Trauer scheint
mit einem Male wie verflogen: "Vielleicht komme ich dann auch an
weitere Goldstücke!"
Die Sonne neigt sich dem Horizont entgegen und ihr macht euch an den
Abstieg. "Du hast von einer einäugigen Frau gesprochen, die
Dir ein Angebot gemacht hat. Nicht das, was Du nun denkst", fügt
Taran schnell hinzu, als Du amüsiert Deine Augen zu schmalen Schlitzen
verziehst, "Sie sprach auch mich an. Vielleicht läßt sich
gut Geld mit ihr machen ..." Jetzt muß auch Taran schmunzeln.
Die Sonne ist mittlerweile untergegangen und ein kühler Wind läßt
euch frösteln. "Du meinst, wir können den Winter einfach
hier auf der Burg verbringen?" erhebt der Jäger wieder das Wort,
während seine Schritte im verwelkten Laub rascheln. "Wie geht
das, ich meine, zahlst Du einfach dafür?" Sein Blick huscht
für einen kurzen Moment wieder zu Deiner Geldkatze an Deinem Gürtel.
"Und wer sind Kylen und Deine anderen guten' Freunde?"
"Nun, mit gutän Freunden meinte ich
eigentlich die Einäugige, sie chat mir Gäld angeboten und sie
hat mich und Kylen, meinen Begleiter mit den roten Chaaren, in ihre Gildä
aufgänommen. Und ich glaubä, mit ihr läßt sich wirklich
gut Geld verdienen ... Hahaha." Der faulige Atem Morsereks läßt
Dich wieder ein wenig Abstand nehmen. Selten hast Du eine Kreatur getroffen,
die so fürchterlich aus ihrem, nun ja, Maul stank.
Schweigend macht ihr Euch an den Abstieg des Hügels.
Der Wind scheint stärker geworden zu sein, Du frierst am ganzen Körper
und mit Schaudern erinnerst Du Dich an den letzten Abend auf der Burg.
An die Schlacht, das Blut, den Mord, den seltsamen Geruch von toten Körpern
in der Luft. "Taran", wirft Morserek plötzlich nach einigen
Minuten ein, "da, wo ich cher kommä, ist das chier" - er
hält Dir ein paar Münzen unter die Augen - "alles. Aber
das ist es nicht. Du chast vorhin von Leere gesprochen und ich glaubä,
ich chabe verstanden. Das chier kann mir nichts gäben." Morserek
wirft die Münzen in die Luft. "Ich chabe etwas bässeres
gäfunden." Langsam hebt sich seine Maske. Zunächst erkennst
Du nur ein vorgeschobenes Kinn. Hauer in der unteren Zahnreihe kommen
zum Vorschein. Als Morserek die Maske völlig abnimmt, blicken Dich
zwei große, blaue Augen an. "Seltsam", denkst Du Dir,
"er sieht sehr menschlich aus."
"CHAMA!" sagt Morserek, "das cheißt auf orkisch Freund."
Fast teilnahmslos dreht er sich um und trottet in Richtung Burg.
Später auf der Burg.
Du bist noch immer etwas verwirrt, als Morserek zusammen mit Kylen die
Taverne betritt. "Chier müssen wir wohl noch bis zum Saarka
bleiben, es ist einfach zu kalt, um weiterzuziehen. Aber ich werde Dich
mit durchfüttern. Ich teile mit Kylen auf der Burg zusammen ein Zimmer,
Du kannst bei uns schlafen. Außerdäm bin ich mir sicher, daß
die Gräfin für Dich noch etwas Arbeit hat. Aber solange kannst
Du bei uns bleiben. Ich denkä, so schnell wärden wir nicht auf
das blinkende Metall verzichten können."
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