Eine Geschichte von Flannagan Mad'Glas und einer billigen Dirne

"Weib"! Du drehst dich reflexartig um. Die Gäste machen einem Mann Platz, der sich, einem wildgewordenem Stier gleich, eine Bresche durch die zum bersten überfüllte Taverne schlägt. Unsanft stößt er die Gäste beiseite, die dabei ihre mit Wein gefüllten Krüge verschütten. Der Störenfried scheint einen imposanten Eindruck zu erwecken, denn keiner der Gäste wagt es, das Wort gegen ihn zu erheben.

Du hast es Dir auf dem Tresen der Taverne bequem gemacht und bis vor einem Moment noch an dem dritten Krug Wein genippt, den Dir ein junger Knecht aus dem kleinen Örtchen unweit von der Taverne spendiert hat. Zuvor noch hast Du Dir ein üppiges Mahl ausgeben lassen, das den Burschen mindestens einen Wochenlohn gekostet haben muss. Gelangweilt hast Du dem Schwall von Komplimenten gelauscht, den Dein Verehrer über Dich ergossen hat. Schmachtend sitzt er nun vor Dir, das Kinn auf die Hand gestützt, auch nachdem der ungebetene Gast die Herberge betreten hat, lässt er seinen Blick nicht von Dir.
Du reckst Deinen Hals um einen Blick auf die Frau zu erhaschen, die wohl gleich eine gehörige Tracht Prügel von ihrem Ehemann über sich ergehen lassen muss.
Dir wird plötzlich die Sicht von einem stämmigen Glatzkopf verdeckt, der Deinen verdutzten Verehrer am Kragen packt und mit aller Kraft über den Tresen schleudert.
Für einen Moment hält der Mann inne, dann wendet er sich blitzschnell zu Dir um und grinst Dich hämisch an.
"Na endlich", grunzt er." Mit Dir hab' ich noch ein Hühnchen zu rupfen, Dirne!"
Ein Schwall üblen Atems dringt Dir in die Nase, er stinkt nach Bier und fauligem Fleisch, außerdem nach irgendetwas, das eigentlich nur Hundekot sein kann.
Kurzerhand wirft er Dich über die Schulter und schleppt Dich vorbei an der glotzenden Menge hinaus ins Freie. Du zappelst und schlägst um dich wie wild, aber der Kraft dieses Mannsbildes bist Du nicht im Geringsten gewachsen.
Allmählich dämmert es Dir, woher Du den Glatzkopf kennst.
Nach den mehr oder weniger unverschämten Botschaften, die Du ihm hast zukommen lassen, verstehst Du auch, warum er so aufgebracht ist.

Andererseits...., schießt ein weiterer Gedanke durch Deinen Kopf, nur deinetwegen soll er hier hergekommen sein? Woher wusste er überhaupt, wo du steckst? Doch erkennst Du ihn eindeutig wieder, der kahle, vernarbte Schädel, die pechschwarzen Zähne, der Rock, der Gestank...
Es besteht keine andere Möglichkeit, es muss einfach Flannagan sein.
Während er den Weg zum nächsten Dorf einschlägt, Dich noch immer über die Schulter geworfen, donnert der Krieger aufgebracht:

An Schafe soll ich mich also halten, HM? Hab nicht genug Respekt vor den Weibern, was? Dir werd ich's zeigen, Du Hexe, woraus echte Luchni gemacht sind!

Er schleppt Dich weiter den dunklen Weg entlang, mittlerweile ist es stockdunkel geworden. Du musst mehr Zeit in der Taverne verbracht haben, als Du dachtest.
Auch der Wein hat seine Spuren in Deinem Kopf hinterlassen, und das ständige Auf und Ab bekommt Dir gar nicht gut. Flannagan hingegen flucht unbeirrt weiter vor sich hin:

Mach Dich auf was gefasst, Du Miststück. Jetzt hat der Spaß ein Ende! Es gibt nicht viele, die Flannagan Gordunan Mad'Glas (seinen Namen betont er besonders) so auf der Nase herumtanzen können. Und eins merk Dir gut, Weib: Du gehörst nicht dazu!

Ihr habt euch indes ein gutes Stück von der Taverne entfernt, und Du fragst Dich, während Dich das Geschaukel fast in den Wahnsinn treibt, wo bei allen Göttern dieser Unmensch sein Pferd angebunden hat.

Die anderen werden Augen machen, wenn sie sehen, was ich aufgegabelt habe. Besonders Morserek, oh, ja der wird sich freuen. Bereite Dich auf eine lange Nacht vor!

Langsam und zielstrebig trägt Dich Flannagan immer weiter durch die Nacht, bis Du die Lichter der Taverne völlig aus den Augen verloren hast.

[Marcel Schwanzer] Du bist wütend. Ach was wütend? Gar kein Ausdruck !! Du könntest platzen vor Wut wegen diesem eingebildeten, arroganten Weibes mit der spitzen Zunge. Das glaubt Dich zum Narren halten zu können!! Aber der wird das Lachen schon noch vergehen! Langsam und vorsichtig gehst Du durch die Nacht ohne auf die sich hin und her windende Frau zu achten die Du Dir über die Schulter geworfen hast. Bis jetzt hat sie noch keinen Laut von sich gegeben was Dich ein wenig wundert; hattest Du doch damit gerechnet sie ohnmächtig schlagen zu müssen um ihrer verbalen Rache zu entgehen.
Inzwischen hast Du den Wald erreicht der zwischen der Taverne und dem nächsten Ort liegt in dem Deine Kumpane auf Dich warten. Der Mond ist aufgegangen und leuchtet Dir mit fahlem Lichte Deinen Weg. Schade denkst Du im Wald wird mir das Mondlicht nicht sehr nützlich sein. Und richtig, im Wald ist es so dunkel das Du nicht mehr die Hand vor den Augen erkennen kannst. Nur ab und zu bricht sich ein schmaler Streifen Mondlicht im dichten Blätterdach.
"Wie war Euer Name noch gleich?" hub die Frau nun doch zu sprechen an. " Ich wäre Euch doch sehr zu dank verpflichtet wenn Ihr mich einen Moment runterlassen würdet. Mein Magen verträgt sich nicht mit Euer Art und Weise mich zu transportieren ! Nicht das ich etwas dagegen einzuwenden hätte,
aber..." Mit einem unsanften Klaps auf den Hintern hast Du sie unterbrochen und fährst sie nun ungehalten an: " Schweigt Weibsbild ! Wann und wie ich Dich runterlasse steht Dir nicht an zu entscheiden und außerdem..." Abrupt und aus Deiner Sicht mal wieder ohne den nötigen Respekt murmelt sie vor sich hin :" Also gut, Ihr wollt es ja nicht anders!" Das nächste was Du dann hörst ist ein würgen und bevor Du reagieren kannst erbricht sich dieses impertinente Weib. Erschrocken und in der Hoffnung das Deine Rüstung nichts abbekommen hast nimmst Du Dir die Frau nun doch von den Schultern und wirfst sie zu Boden . Dort bleibt sie erst mal liegen und würgt weiter, bis sie wirklich ihr ganzes Abendmahl auf dem Waldboden erbrochen hat. Während- dessen fährst Du dir mit der Hand über den Rücken - den Göttern sei Dank Deine Rüstung hat nichts abbekommen; da erreicht Deine Hand Deinen Hintern und mit ihm eine warme, bröcklige Masse die auf ihm klebt.
"Katharina, Du wirst den Tag noch bedauern an dem Du geboren bist!! Mach Dich auf einen langen und qualvollen Tod gefasst!!" Dein Zorn kennt keine Grenzen und wenn Du nicht gewollt hättest das die Frau in dieser Nacht noch zu was zu gebrauchen ist , hättest Du ihr auf der Stelle eine gehörige Tracht Prügel verpasst. Mitten in Deine mordlüsternen Gedanken platzt die Stimme Katharinas:
Wie habt ihr mich eben genannt?? Katharina??" Was bei allen Göttern will sie denn jetzt wieder . Und schon redet sie weiter. " Ich wusste das da ein Irrtum vorliegt. Ihr habt mich verwechselt ! Euch ist ein furchtbarer Fehler unterlaufen und die Quittung dafür habt ihr ja schon bekommen.(ihre Stimme klingt
an dieser Stelle sehr selbstzufrieden ) Und das ihr meinen Verlobten so unsanft über die Theke geworfen habt dafür werdet ihr büßen!! Er wird kommen und mich befreien und dann wird er Euch die Kehle aufschlitzen und Euch seinen Schweinen zum Fraß vorwerfen..."
Rüde unterbrichst Du den Redeschwall indem Du Dich breitbeinig vor ihr aufstellst, zu ihr hinunterbeugst und sie an der Bluse zu Dir hochziehst bis sich eure Nasen berühren:" Wirst Du nun endlich schweigen?? Wenn jetzt nicht endlich deinen Mund hältst werde ich dich bewusstlos schlagen, fesseln und knebeln.
Du kannst von Glück reden das ich so gnädig mit Dir verfahre, du Miststück !"
Zu Deiner großen Verwunderung schweigt sie tatsächlich. Nach einem Moment des Schweigens zwischen euch merkst Du, das Katharina angefangen hat zu weinen .Schluchzer schütteln die Frau und unaufhaltsam rinnen ihr Tränen über die Wangen. Zwischen den Schluchzern stößt sie hervor:
" Ich sage Euch noch mal das ihr mich verwechselt. Mein Name ist nicht Katharina. Ich heiße Farim. Katharina ist meine Schwester. So glaubt mir doch...
bitte tut mir nichts an... lasst mich doch gehen... oh so eine Behandlung habe ich nicht verdient... "

Du hast beide Augen fest zusammengekniffen und wartest schluchzend eine Reaktion des aufgebrachten Kriegers ab. Bis jetzt hast Du mit einer solchen Szene jedes noch so kalte Herz erweicht. Du öffnest das linke Auge ein wenig, um zu sehen, was der Barbar (zweifelsohne ein Barbar, wie sollte man einen solchen Rüpel auch sonst nennen können) im Schilde führt. Noch immer hat er Dich mit seinen Pranken fest am Kragen gepackt.
Wieder Erwartens blickst Du in ein völlig ausdrucksloses Gesicht. Dein Peiniger scheint den Eindruck zu machen, als vollführe sein kleiner Geist auf einmal große Sprünge. Die Fratze, in die Du siehst, enthüllt auf einmal einen fragenden Blick, als habe Flannagan gar nicht verstanden, was Du gerade von Dir gegeben hast.
Eine weitere Ewigkeit vergeht, bis er seinen Griff endlich lockert. Unsanft prallst du auf den Waldboden.

"Ich weiß zwar nicht, was du mit diesem Lärm bezweckst, Weib, aber wenn Du glaubst, ich würde das blaue Auge auf Deinem Antlitz nicht wiedererkennen, hast Du dich geschnitten."

Deine Gedanken beginnen zu rasen....
Zwar hast Du es zweifelsohne nicht gerade mit einem besonders gebildeten Menschen zu tun, doch trotz allem lässt sich dieses ungehobelte Mannsbild nicht so leicht übers Ohr hauen, wie Du angenommen hattest. Das blaue Auge hattest Du völlig vergessen. In Anbetracht der Tatsache, dass es schon so lang her ist, seit Dir Morserek diesen schmerzhaften Schlag verpasst hat, müsste es doch schon längst wieder verschwunden sein..... allerdings bist Du auch zuvor nie von einem Mitglied der Allianz geschlagen worden...
Während Du dich wieder aufrappelst und Deine Gedanken sich überschlagen, wie Du Dich wohl am besten aus dieser verklemmten Lage herauswinden könntest, bemerkst Du, dass Flannagan sich seines Kilts entledigt hat. Während Du noch überlegst, ob Du Dir die Hände vors Gesicht halten, oder es einfach ignorieren sollst, wirft Dir Flannagan den Rock mit einer abschätzigen Handbewegung vor die Füße. Stumm deutet er auf das feuchte Rinnsal, dass sich am Wegesrand das leichte Gefälle hinabschlängelt. Wo genau der Bach verläuft, kannst Du nur erahnen, denn man erkennt heute schier die Hand vor Augen nicht.

"Wasch das."

Kurzerhand entledigt sich der Luchni seiner übrigen Kleidung, nicht mehr als ein völlig verdrecktes Hemd und ein paar feste Lederstiefel. Abwartend hält er Dir die stinkende Masse aus Stoff und Fell unter die Nase. Man könnte meinen, die Sachen wären seit dem Tage des Erwerbs nicht mehr mit Wasser in Berührung gekommen.

"Wenn Du schon einmal dabei bist.
Und denk nicht einmal daran, wegzulaufen, selbst ohne Schuhe würde ich dich in nicht hundert Schritten eingeholt haben."

Dein Blut kocht. Es kocht vor Wut.
Noch nie hast Du Dich in einer so Ausweglosen Situation befunden. Denn Du weißt genau , dass Flannagan recht hat. Mit dem langen Rock, den Du trägst, würdest Du nicht weit kommen. Zähneknirschend findest Du Dich mit der Erkenntnis ab, dass Dir wohl nichts anderes übrigbleibt, als diesem Ekel zu gehorchen. Aus der Dunkelheit über Flannagans Gesicht siehst Du seine verfaulten Zähne aufblitzen, als Du Dich empört umwendest und Richtung Bach trottest.

Voller Wut klatscht Du seine Kleidung in den seichten Bach. Ein Schwall schier unerträglichen Gestanks, eine Mischung aus Erbrochenem und dem ohnehin schon widerwärtigen Gestank kommt Dir entgegen. Du kannst einen erneuten Würgereiz gerade noch unterdrücken und bückst Dich hinunter.
Während Du missmutig und halbherzig beginnst, Dein eigenes Erbrochenes an einem Stein von seinem Kilt zu schrubben, macht Flannagan es sich neben Dir bequem, ohne auch nur einen Funken von Scham zu zeigen. Im fahlen Licht der schmalen Mondsichel kannst Du zum ersten Mal einen unbemerkten Blick auf ihn wagen.
Vielleicht ist es ja nur das Mondlicht, aber ohne das widerliche Gebiss und den abartigen Gestank könntest Du fast meinen, er sei nicht ganz und gar abgrundtief hässlich....
Wenig später ertappst Du Dich erneut dabei, wie Du ihn unverhohlen anstarrst.

Nachdem ihr euch bereits eine ganze Weile angeschwiegen habt, bricht Flannagans Stimme abrupt die Stille. Mit einem Ton, der selbstzufriedener nicht sein könnte, grummelt er:

Sicher fragst Du Dich, wie ich Dich gefunden habe, nicht wahr?

[Marcel Schwanzer] Völlig mit dir und der Welt zufrieden sitzt du nun am Rand des kleinen Rinnsals und schaust dem Weibsstück dabei zu wie sie lustlos deine Kleidung durch das Wasser zieht. Auf deine Frage hin schnaubt sie nur verächtlich und meint dann mit einem gleichgültigen Achselzucken:

"Das kann ja nicht allzu schwer gewesen sein. Ich hab mir ja keine Mühe gegeben mich irgendwie zu verbergen und meine Spuren zu verwischen. Wenn ich gewusst hätte das ihr mir folgt , hättet ihr mich nie gefunden!"

Für diese Aussage hast du wiederum auch nur ein abfälliges Schnauben übrig:

" Bei deinem Erscheinungsbild dürfte es dir wahrlich schwer fallen dich zu verbergen..."

"Oho", mit einem gespielt erstaunten Ton in der Stimme richtet sich Katharina nun auf und betrachtet dich mit hochgezogenen Augenbrauen.
"Ein Kompliment aus eurem Munde??! Ich bin erstaunt und falle gleich auf die Knie vor Dankbarkeit das ihr meine doch so offensichtlichen, äußeren Vorzüge zur Kenntnis genommen habt. Oder ist euch diese Freundlichkeit gar aus Versehen herausgerutscht ??"

Empört und einen Moment lang sprachlos starrst du sie an und fauchst dann:

"Ich gebe dir gleich was ganz anderes als Freundlichkeit! Nimm dich in Acht und hüte dein vorlautes Mundwerk..."

Sie unterbricht dich indem sie dir deine Kleider an den Kopf wirft, die allesamt triefendnass sind. Dein Hemd legt sich komplett um deinen Kopf und raubt dir die Sicht, während dein Kilt in deinen Schoß hinunterrutscht. Der eiskalte, nasse Stoff bringt dich dazu abrupt aufzuspringen. Der Kilt gleitet zu Boden und derweil du noch damit beschäftigt bist das Hemd herunterzuziehen hörst Du das Geräusch von Schritten die sich hastig entfernen.
Außer dir vor Wut auf dich und darauf das du sie ganz offensichtlich ein weiteres Mal unterschätzt hast reißt du das Hemd nun ganz vom Kopf und bringst es doch deiner rasenden Wut fertig ruhig stehen zu bleiben und zu lauschen in welchen Richtung sich die Schritte entfernen.
Jedoch nur scheinbar lähmendes Schweigen dringt an dein Ohr.
Doch da, rechts hinter dir aus der Richtung aus der ihr gekommen seid durchbricht das Knacken eines Astes die Stille.
Wieder Stille. Dann aus derselben Richtung scheinbar an der selben Stelle das Rascheln trockenen Laubes - oder aber das Rascheln abgelegter Kleidung.
Langsam gehst du los , völlig lautlos schleichst du auf die Geräuschquelle zu und tatsächlich - ein großer Schatten bewegt sich jetzt genauso leise wie du durch den Wald. Wäre nicht just in diesem Moment ein Funken Mondschein auf glitzernde Ohrringe gefallen, du hättest den Schatten wahrscheinlich für ein Reh gehalten.
Mit einem Wutschrei stürzt du dich auf die Frau.......

Das Echo des lauten Schreis irrt mehrere Augenblicke durch den dichten Wald. Nachdem der Barbar aufgebracht Deinen Namen gebrüllt hat, setzt er sich mit lautem Keuchen und Geraschel in Bewegung. Du presst Deinen Körper dicht an eine massive Eiche und hältst den Atem an.

Er versucht wohl nicht einmal, sich zu verbergen, denn die Geräusche, mit denen Flannagan durch den Wald prescht, lassen Dich auf den Meter genau erahnen, wo er sich befindet. Er muss etwa 15 Schritt vor Dir sein, als das Rascheln von Laub und das Krachen der Äste plötzlich abrupt verebbt.
Noch fester drückst Du dich an die mächtige Eiche, Du spürst die harte, knorrige Rinde, die an Deinen nackten Oberschenkeln reibt.
Für einen Moment herrscht eine absolute Stille, nur das leise Rauschen der Blätter hoch oben in den Wipfeln ist zu hören. Gespannt lauscht Du weiter in die Stille hinein. Und da: schier unhörbar, und doch hast Du es vernommen:
Dort, wo Flannagan so wie Du verharren muss, erklingt ein leises Geräusch: Ein Geräusch, als würde ein Bluthund versuchen, Witterung aufzunehmen: Mehrere kurze Atemzüge schnell hintereinander, dann ein leises Grunzen.

Vielleicht hast Du Dich ja geirrt? Ein Keiler vielleicht, der nach Eicheln sucht?
Aber wo zum Henker steckt der Barbar?!!

Nach einem ewigen Moment des Abwartens und der Stille entscheidest Du Dich dafür, auf Umwegen leise zurück zum Weg zu schleichen, um zur Taverne zu finden, denn noch immer ist es so dunkel, dass man die Hand vor Augen nicht erkennt.
Langsam und grazil löst Du Deinen Körper von der Eiche und schlägst die entgegengesetzte Richtung ein. Bedächtig achtest Du darauf, keinen Mucks von Dir zu geben, völlig geräuschlos entfernst Du Dich immer schneller von jener Stelle.
Nach etwas über 50 Schritten hörst Du es erneut leise hinter Dir wittern:
drei leise Atemzüge, dann ein Schnauben.
Noch eben warst Du Dir fast sicher, dass Dir nichts und niemand gefolgt ist, doch jetzt beginnt Dein Herz zu pochen wie wild. Hastig läufst Du schneller und schneller, noch immer, ohne ein Geräusch von Dir zu geben.
Der Waldboden ist weich und feucht.

Nun bist Du etwa 100 Schritt gelaufen und müsstest jeden Moment die Böschung des Weges erkennen, dort, wo er einen leichten Bogen um eine hohe, kalkweiße Felsnase beschreibt.
Die kannst Du schon durch das Dickicht schimmern sehen.

Auf einmal wieder das Grunzen, wie von einem wilden Tier.

Diesmal muss es jedoch aus der anderen Richtung gekommen sein, 10 Schritt direkt vor Dir.
Erneut bleibst Du stehen und lauschst. Eine kurze Brise weht Dir einen Dir wohlbekannten fauligen Geruch entgegen.

Einen Wimpernschlag später stößt Dich ohne Vorwarnung etwas großes, nacktes zu Boden. Unsanft kracht Dein Hinterkopf auf eine Harte Oberfläche. Kurz siehst Du ein schwarzes Grinsen über dir, dann schwinden Deine Sinne, und Du verlierst das Bewusstsein.

Musik erklingt in Deinen Gedanken....
Wie kann es sein, dass ein solch grobschlächtiger Mensch sich so durch den Wald bewegt, wie er es getan hat? Lautlos und ungefehlt?
So mancher Verfolger hat im Wald schon Deine Spur verloren, selbst mit Hunden war man ein Mal hinter Dir her gewesen, als Du einen reichen Händler um etwas Schmuck erleichtert hast......

Doch er?

Die Musik ist ein wenig lauter geworden, viele Stimmen, die dazu singen.

Was er wohl mit Dir vorhat?
Sinnt er auf Rache? Wozu dann dieses seltsame Spiel, dass er mit Dir treibt?
Ein unangenehmes Gefühl, jemandem nicht entkommen zu können.......

Eine Melodie, die Du nicht kennst, eine einsame Laute...
Fünf Stimmen...............

Wut in Dir, und doch?
Ist dort tief in Dir nicht auch ein kleines Stück Neugierde?
Der kurze Moment, als er neben Dir am Bach saß......

Es klingt FÜRCHTERLICH!
Kein Gesang, mehr eine Art Geschrei.
Es duftet nach gebratenem Fleisch.
Auf und Ab.
Auf und Ab.
Auf und Ab.

Du öffnest Die Augen. Flannagan hat Dich wieder über die Schulter geworfen, sein Oberkörper ist nackt, doch zumindest hat er seine Blöße wieder bedeckt.
Deine Beine sind wohl auch noch unbedeckt, denn es friert Dich fürchterlich.
Der Luchni trottet unbeirrt weiter,
Auf und Ab.
Ganz in der Nähe hörst Du das Gegröle aus Deinem Traum. 5 Männerstimmen, die lauthals unanständige Lieder von nackten Weibern und anderem brüllen. Dazu spielt eine zaghafte Laute.
Nach ein paar Schritten krächzt eine der Stimmen, während die anderen vier unbeirrt weiter grölen, ein gebrochenes

WÄÄÄR DA??? FREUND ODÄR FEINT!

Die Schwüre hoch, Freund Morserek!! ,
Donnert Flannagan lautstark zurück.
Habt ihr mir und meiner Begleitung etwas Met übriggelassen? Wir sind durstig!

WÄN HAST DO UNS DÄNN MÄTGEBRRACHT? LAS SÄHEN!

Das Gegröle ist mittlerweile verstummt, du vernimmst das Knistern eines Feuers und das Brutzeln von Fleisch in verschiedenen Pfannen.
Langsam, fast bedächtig und respektvoll, bückt sich Flannagan hinunter und bettet Dich auf einen Haufen aus Decken und Fellen. Sofort wird es Dir angenehm warm, das Feuer wärmt Deine eisigen Füße.
Noch immer ein wenig benommen reibst Du Dir die Augen und blickst in die Runde. Um das Feuer haben sich einige merkwürdige Gestalten versammelt, darunter das maskierte Ding, dem Du die Axt entwendet hast. Es funkelt Dich mit seinen durchbohrenden Augen an. Gleichwohl haben es sich hier noch ein schlanker, rothaariger Mann mit einem diebischen Grinsen im Gesicht, ein bärtiger Bär mit langem, pechschwarzem Haar, der gerade ein Stück Fleisch verschlingt, und eine dürre Bohnenstange, die Euch zwei Hörner mit Met füllt, bequemgemacht. Ein weiterer junger Mann, ohne jeglichen Bartwuchs, dafür mit einem umso größeren Hut sitzt etwas abseits und zupft geistesabwesend an einer verstimmten Laute herum.
Alle Fünf starren Dich wie gebannt an, vor allem jedoch starren alle auf Deine nackten Schenkel.

Es vergeht ein Augenblick des Starrens, bis plötzlich alle Fünf in Gelächter ausbrechen, und miteinander anstoßen.

Fortsetzung folgt ...

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