Akleson überraschendes Erbe
Hier sei die Geschichte von nunmehr Ritter Akleson erzählt,
wie er von Baron Jareck von Jolberg zu seinem Erbe berufen wurde.
Mir, dem Schreiber Njall, wurde dabei die Ehre zuteil, eben diese
Akleson aufzusuchen und ihm die Botschaft seines Erbes zu überreichen.
Nachdem ich Herrn Akleson schließlich auf der Burg Jolkapf in Rebenhain
gefunden hatte, begeleitete ich ihn nach Jolberg und sagte ihm, dass ich doch
recht froh sei, dass die Ehlermark nun wieder einen richten Herrn bekäme.
Frau Udelgard wäre seit der Herr Gunnwald, Aklesons Vater, krank war eine
sehr missgünstige Person geworden, die einem jeden Fehler sofort krumm
nehme. Allein wenn der Herr Norgard von Gerstenbrück zu Besuch gekommen
sei, um seinen Freund Gunnwald zu besuchen, wäre sie die Liebenswürdigkeit
in Person.
Ich bedauerte es sehr Herrn Akleson, zu spät gefunden
zu haben um Herrn Gunnwald noch lebend anzutreffen. Ich riet ihm
erst den Baron Jareck in Jolberg aufzusuchen und dann in die Ehlermark
weiterzureisen. Er sollte sich erst die Gunst des Barons holen.
Die Chancen stünden nicht schlecht ihn in den nächsten
Tagen in Jolberg anzutreffen.
Wir reisten von Jolkapf nach Norden nach Veitsburg in Soltran,
was uns einen Tag kostete. Dort überzeugte ich Kapitän
Josser Hunsfotter uns mit nach Jolberg zu nehmen. Wir fuhren den
Jolborn hinauf. Vorbei an den drei Hügeln, denen Jolberg sein
Wappen verdankt. Als wir den letzten Hügel passierten, zeigte
ich Herrn Akleson die Burg Jolberg auf dessen Spitze. Wir machten
im großen Hafen fest und verließen das Schiff. Ohne
viel Zeit zu verlieren bahnte ich uns einen Weg durch die Strassen,
um möglichst schnell beim Baron vorsprechen zu können.
Ich übergab Herrn Akleson einem Diener des Barons und gesellte
mich zu andere Angestellten, um zu warten.
Ich selber war nicht bei dem Gespräch des Barons mit Herr
Akleson dabei, aber ich hab im Nachhinein von Bediensteten und Herrn
Akleson selber das meiste erfahren. Sie speisten zusammen und der
Baron machte sich ein Bild seines neuen Gutsherren. Als Herr Akleson
die Räume des Barons verließ war er zum Ritter geworden.
Aber er hatte nicht nur den Heliosbrief bekommen, sondern hatte
noch andere Schriftstücke bei sich. Ich sollte später
erfahren, dass dies Steckbriefe waren. Ausgestellt auf drei Gefährten,
mit denen Ritter Akleson in der Vergangenheit ein Bündnis eingegangen
war. Scheinbar hatte Ritter Akleson mit dem Baron eine Vereinbarung
gefunden, denn zwei diese Gesuchten tauchten später in der
Ehlermark auf und wurden nicht vor den Baron geführt. Ich vertraue
auf den Baron und meinen neuen Herrn, dass dies alles mit rechten
Dingen zu ging.
Am folgenden Tag sattelte ich die Pferde, während mein neuer
Herr ein kräftigendes Frühstück zu sich nahm. Sobald
er fertig gegessen hatte, machte wir uns auf, um am Nigram entlangreitend
die Ehlermark zu erreichen. (mehr
Infos zur Ehlermark)
Als wir die Ehlermark erreichten sah man ein freudiges und dennoch erwartungsvolles
Gesicht des Ritters, der seinen Blick über die kleine Siedlung schweifen
ließ. Fast schon stürmisch ritt er den Hügel hinab, hinein in
die Mitte der Siedlung, in der ihn schon die zusammengelaufenen Bewohner Ehlerreutes
ungeduldig erwarteten. Er bahnte sich einen Weg durch die Ansammlung und hielt
eine kleine Begrüßungsrede vom Rücken seines Pferdes aus an
die Menschen. Er versprach ihnen ein guter Herr zu sein und in alter Familientradition
die Ehlermark zu führen. Anschließend brachte ich ihn zu seinem neuen
Wohnsitz der alten steinernen Mühle. „Frau Udelgard die Witwe eures
Vaters erwartet euch in den Wohnräumen“, sagte ich zu ihm, während
ich die Pferde anband. Zusammen betraten wir den Hauptraum, der von einem großen
offenem Kamin beheizt wurde. Hinter dem hölzernen Arbeitstisch saß
Frau Udelgard, die mit stechend blauen Augen den unerwarteten Besucher musterte.
„Das ist Ritter Akleson der einzige Sohn und rechtmäßige Erbe
Ritter Gunnwalds von Ehlermark!“ Freudig schloss Frau Udelgard Ritter
Akleson in die Arme, dem es sichtlich unangenehm war von seiner unbekannten
Stiefmutter derart herzlich begrüßt zu werden. Ich wurde aufgefordert
das Zimmer zu verlassen, um die beiden alleine zu lassen.
Ich wunderte mich ob ihrer für sie ungewöhnlichen
Freundlichkeit, die sie Ritter Akleson entgegen brachte. Ich konnte
ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen was sie ihm Schilde führen
sollte.
Am Abend wurde ein herrliches Festmahl angerichtet, zu dem auch
die Oberhäupter, der in Ehlerreute lebenden Familien, eingeladen
wurden, dass sie ihren neuen Herrn kennen lernten. Den ganzen Abend
sorgte Frau Udelgard dafür, dass es Ritter Akleson an nichts
fehlte. Aber als alle zu Bette gingen ließ sie lediglich aus
Stroh und Felle eine ihm nicht würdige Schlafstätte neben
dem Kamin anrichten. Sie aber verschwand hinter der Trennwand, wo
sich das große Bett des Herrn der Ehlermark befand.
Bei dem Gedanken, dass der neue Herr der Ehlermark auf einem
Strohlager neben dem Feuer nächtigen musste, kam zwar ein Missbehagen
auf, aber war er es doch von seinen vielen Reisen nicht anders gewohnt,
als auf dem Boden zu schlafen.
Pünktlich mit dem zweiten Hahnenschrei wurde das Frühstück
angerichtet und Ritter Akleson begann seinen ersten Tag als Herr
der Ehlermark. Seltsamerweise schien Frau Udelgard schon früh
aufgestanden zu sein, denn sie war nirgends auszufinden. Sie ließ
sich von ihrer Zofe entschuldigen, dringende Geschäfte in Rodenfurt
hätten nicht warten können. Ich bat Herrn Akleson ihn
Ruhe zu frühstücken und seine Fragen für die spätere
Begutachtung der Ehlermark aufzuheben. Viele Fragen würde sich
so, schon von selbst beantworten.
Noch vor der Mittagsstunde begannen wir mit unserem Rundgang. Ich führte
Herrn Akleson reihum zu jeder Ehlerreuter Familie, die verschiedene Geschenke
für ihn bereit hielten. Die Oberhäupter der Familien schlossen sich
uns an und zeigten ihm, die ihnen jeweils zugeteilten Aufgaben. Nach der Besichtigung
des Sägewerks gingen wir in den Wald, um den Waldarbeitern bei ihrer harten
Arbeit zu besuchen. Da geschah es. Aufmerksam hörte Ritter Akleson den
Holzfällern zu wie sie die Bäume schlugen, als sich plötzlich
ein oberhalb befindlicher Holzstapel in Bewegung setzte. Krachend rauschten
die massiven Holzstämme auf die kleine Gruppe zu. Beherzt sprangen alle
zur Seite bis auf Herrn Akleson, der gerade das Beil eines Waldarbeiters betrachtete.
Auf meine alten Tage hin gelang es mir dennoch den jungen Ritter aus der Gefahr
zu bringen. Ich versetzte ihm einen kräftigen Stoss, so dass er zwar in
einem Brombeerbusch landete, aber dem wohl größeren Übel der
Baumstämme entrann. Die Götter waren uns wohl besonders gnädig,
da niemand zu schaden kam. Kaum hatten wir uns von dem Schrecken, erholt hörte
man ein lautes „Halded dehn!“ vom Holzfäller Michel. Wir sahen
nur noch einen Schatten zwischen den Bäumen verschwinden. Michel kam hinter
dem restlichen Holzstapel hervor und erzählte uns, dass er jemanden gesehen
habe, der sich an der Verankerung des Holzes zuschaffen gemacht hatte. Wenig
später brachten zwei stämmige Ehlerreuter Männer eine kleine,
hagere Gestalt aus dem Wald, die sie Fest in ihren Armen hielten. Auf frischer
Tat ertappt, war er sogleich der Tat überführt. Auf die Frage nach
dem Grund seiner Tat, antwortet er auf Herrn Akleson zeigend: „ ich sollte
diesen Herrn dort zu Grabe bringen“. Aufbrausend sprach Ritter Akleson:
„Da wir dich auf frischer Tat ertappt haben, werde ich als Herr der Ehlermark,
von dem Recht gebrauch machen dich sofort zu richten!“ Scheinbar wusste
der Täter wohl nicht wer sein Opfer war. Bettelnd und um sein Leben winselnd
versprach der Unsägliche alles zu gestehen. Er erzählte das am heutigen
Morgen eine Frau ihn beauftragte, eben diesen Herrn dort zu töten und Beschrieb
recht genau das Aussehen der Frau Udelgard.
Daraufhin fassten wir einen Plan, der sie der Tat überführen sollte.
Wir sorgten dafür, dass sich das Gerücht über einen tragischen
Todesfall in ganz Ehlereute verbreitete und warteten auf die Rückkehr von
Frau Udelgard. Ritter Akleson und zwei der Familienoberhäupter versteckten
sich im Hauptraum hinter der Trennwand in der Mühle, die anderen beiden
Oberhäupter und ich setzten uns an den großen Esstisch. Als sie den
Raum betrat berichteten wir, ohne einen Namen zu nennen: „Es war ein Unfall.
Er wurde von einem großen Stapel von Holz erschlagen, der sich aus Versehen
löste.“ „Der arme Herr Akleson“, schluchzte sie. Aber
wer außer den beim Unfall Anwesenden, hätte dies wissen können,
da der Name des Opfers ja tunlichst verschwiegen worden war. Die Beute war ins
Netz gegangen. Schweigend schauten wir sie verwundert an. In diesem Moment bemerkte
sie, dass niemand außer ihr je einen Namen genannt hatte. Gleichzeitig
trat Herr Akleson hinter der Wand hervor: „Du falsche Natter, wolltest
wohl das Erbe für dich beanspruchen, aber nun wird der Baron von Jolberg
sich deiner persönlich annehmen.“
Am nächsten Tag brachten zwei Oberhäupter der Familien und ich, die
arme Seele, gebunden auf einem Ochsenkarren, nach Jolberg. Auf dass sie dort
ihr gerechtes Urteil erhalten würde.
Auch wenn der Antritt des Erbes für Ritter Akleson von
diesem Vorfall überschattet wurde, denke ich doch das die kommenden
Zeit gutes bringen wird. Die schnelle Ergreifung des Täters
und Mithilfe für die Überführung von Frau Udelgard,
zeigt wohl am besten die Loyalität der Bewohner. Für mich
selber kann ich nur sagen, dass ich ebenso für den neuen Herrn
wie zuvor für den alten Herrn von Ehlermark, dienen werde.
Njall, Schreiber von Ritter Akleson von Ehlermark
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